Wieder zuhause

Sind wir durch dieses Gässchen nicht eben gekommen? Die Altstadt von Valparaiso macht richtig Lust zur Erkundung, ein unbeschwertes Bummeln ist es dennoch nicht. Das Dickicht aus Gassen, Passagen, Wegen, Treppen und Liften (ascensores) ist ohne Stadtplan nicht zu durchdringen. Valparaiso wurde nämlich auf einer Kette von runden, steil abfallenden Hügeln (cerros) gebaut, die Häuser und Gassen wurden angelegt, wo es eben ging.

Oliver war 2005 nach der Lektüre seines erstes Buchs in Spanisch («Hija de la Fortuna» der chilenischen Autorin Isabel Allende) so angetan von den Beschreibungen der Altstadt von Valparaiso, dass wir 2006 von Mendoza (Argentinien) aus ein langes Wochenende in der farbigen Küstenstadt verbrachten. Auch diesmal sind wir mit dem Bus angereist, inklusive unserer drei Reisetaschen, und freuen uns, die malerischen, vorwiegend in Wellblech gehüllten Häuser aufs Neue zu entdecken und die Aussicht aufs Meer zu geniessen. Viele Gebäude wurden seither renoviert; viele Gassen neu gepflästert; viele Cafés, Restaurants und Guesthouses neu eröffnet. Wo wir hinschauen bietet sich ein Postkartensujet!

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Steigt man allerdings von den Hügeln herunter ins Hafen- und Geschäftsquartier, warten zerbröselnde, graue Sandsteinbauten, der Verkehr ist hektisch, überall stinkt’s, und es hat erstaunlich viele Bettler. Das war leider bereits 2006 so.

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Untypisch: unser Guesthouse im Art-Deco-Stil

Diesmal sind wir nach Valparaiso gekommen, um den Agenten zu treffen, der die Speditions- und Zollformalitäten für unser Reisemobil abwickelt. Das Büro ist höchstens 25 m2 gross, doch gibt es dort acht Computerarbeitsplätze und einige Gestelle mit Ordnern, ein Archiv und einen Kopierer. Alexis fährt um halb neun mit uns ins Depot der Spedition, die den Container im Containerhafen abgeholt hat, und stattet uns mit Helmen und Leuchtwesten aus. Aber beim Sicherheitsmann ist bereits Endstation: ohne Sicherheitsschuhe können wir nicht aufs Areal. So schauen wir von der Seitenlinie zu, wie am Container mit dem grossen Bolzenschneider die Plombe entfernt und die Türen geöffnet werden. Erleichterung: alles ist noch so, wie wir es in Melbourne eingeladen hatten. Die Mitarbeiter staunen: wie kommt man am Fahrzeug vorbei, um die vorderen Spanngurten zu lösen? Oliver kann sie überzeugen, dass er sich damit auskennt. Als es darum geht, das Auto rückwärts aus dem Container zu fahren, kommt auch Jeannine ins Spiel. Leider ist die Starterbatterie flach. Das ist ärgerlich, weil wir sie zum Einen durch einem Trennschalter vom Bordnetz abgekoppelt hatten, und weil sie zum Anderen in Melbourne ersetzen wollten, doch der Spezialist beschied uns, dass diese Batterie noch «plenty of guts» habe. Nun, wohl doch nicht! So wird Kasbah mit dem Gabelstapler aus dem Container gezogen. Auch mithilfe des Gabelstaplers ersetzen wir die kleinen Containerlaufräder durch die richtigen Räder und überbrücken die Starterbatterie. An Helfern mangelt es nicht.

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Alexis erledigt derweil die Formalitäten mit der Spedition. Als nächstes fährt er uns zum Zoll beim Containerhafen. «Dieser Frachtschein ist nur eine Kopie — wir benötigen das Original!», teilt uns die Beamtin mit. Alexis macht einen Telefonanruf, dann einen zweiten, dann hat er Schweissperlen auf der Stirne. Zweieinhalb Stunden später haben wir die Zollpapiere, und um halb fünf fahren wir mit unserem Auto aus dem Depot. Das war knapp! Denn am nächsten Tag ist ein Feiertag, und so hätten wir gleich zwei Tage verloren. Auftanken, einkaufen und ab Richtung Süden. Jetzt sind wir wieder zuhause. Die Starterbatterie ersetzen wir am übernächsten Tag in einer Bosch-Service-Werkstatt.

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Das erste Camp — unter Eukalyptus-Bäumen wie in Australien

Nützliches Vokabular

la trámite — die Formalität
el elevador de horquilla oder la grúa tenedor – der Gabelstapler
el contenedor — der Container
arrancar el motor — den Motor starten

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Delia Reinhard sagt:

    Schön hats geklappt mit dem Kasbah, dann gute Fahrt! Danke für die schönen Postkarten Shots, die sind wirklich der Hammer.

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