Bosques petrificados

«Hola, buenos días», begrüsst uns die sympathische Guardaparque. Obwohl es erst kurz vor 9 Uhr ist und der Park erst um 9 seine Tore für Besucher öffnet. «De dónde son? Saben lo que pueden hacer aca? Saben la historia de estes árboles?» Sind ihre weiteren interessierten Fragen, bevor wir dann zurück fragen dürfen.

Die auf knapp 30 Jahre geschätzte Frau, führt hier ein gewähltes Leben in Einsamkeit. «Der Park ist das ganze Jahr geöffnet, wird aber nur während fünf Monaten (November bis März) besucht. Jährlich nehmen rund 10’000 Touristen den Weg hierhin auf sich», erfahren wir von ihr. Der Park ist wirklich nur schwer und über eine lange Schotterpiste erreichbar. «Unsere Schichten dauern jeweils 10 Tage und darauf folgen vier Freitage, die ich meist in Puerto Deseado verbringe. Da meine Wurzeln allerdings im Nordosten Argentiniens sind, in Misiones, habe ich hier keine Familie, aber viele nette Freunde», eröffnet sie uns weiter. Sie wirkt sehr vergnügt und dies auch noch nach vier Jahren Tätigkeit hier.

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Morgenfahrt zum Reserva Nacional Bosque Petrificado
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Das Zuhause der Guardaparques und das Meseum. Alles sehr ordentlich und liebevoll gemacht

Ob wir zuerst die Wanderung machen, oder die Ausstellung besuchen möchten, fragt sie uns. Wie üblich zuerst das Museum, damit wir dann informiert losziehen können. Der kleine Raum ist voll mit geologischen Zeittafeln, Versteinerungen und sonstigen Exponaten. Alles sorgfältig zusammen gestellt, Erläuterungen meist von Hand gezeichnet resp. geschrieben.

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Schöne Beispiele von versteinerten Zapfen diverser Koniferen

Bevor wir uns orientieren können, bekommen wir einen professionellen Kurzeinblick in das hier vorhandene Material und die Entstehung des Bosque Petrificado. Vor 150 Mio. Jahren, herrschte in diesem heute sehr trockenen und kargen Gebiet ausreichend Feuchtigkeit für Wälder mit Proaurakarien (Vorgänger der heutigen Aurakarie, gibt es nur auf der südlichen Halbkugel). Ein Vulkanausbruch begrub diese Wälder plötzlich unter einer Ascheschicht. Unter Luftausschluss verrottete das Holz nicht, sondern im Schlamm gelöste Silikate drangen in die Zellen ein und sorgten für die Erhaltung dieser Baumstämme, welche aufgrund von Erosionen erst vor kurzem wieder zum Vorschein kamen. Und heute können wir diese eindrücklichen Stämme, die einen Durchmesser von bis zu 3m aufweisen, bestaunen. Auch nachdem die Dame diese Zusammenhänge bestimmt schon tausend mal erzählt hat, drückt ihre Begeisterung über diesen Schatz durch und wirkt ansteckend. Begleitet von herrlichem Sonnenschein wandern wir durch diesen „Baumfriedhof“. Wirklich unglaublich, dass das, was hier liegt, versteinerte und nicht lebendige Baumstämme sind, denn alle Details stimmen, sogar die Farben.

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Wir sind total fasziniert von diesen Zeitzeugen und finden die umgebende Landschaft reizvoll ohne Ende

Rund 26 Stunden und 444 km (davon 280 km üble Schotterpiste) später, klopfen wir erneut an bei einem Guardaparque. «De dónde son?» Aus der Schweiz, antworten wir brav und schon stiefelt er voraus mit den Worten, «les explíco el camino (ich erkläre Euch den Weg)». Ob wir uns vielleicht zuerst das Museum anschauen dürften? fragen wir höflich. «Claro», kommt es zurück und er setzt sich an seinen Computer im Museum, wo viel zu laute Musik dröhnt, sodass uns die Konzentration auf den spanischen Text schwer fällt. Der Strom für die Musik kommt von einem noch viel lauter brummenden Generator, der das mystische Tal, die Zufahrtsstrasse und den Parkplatz beschallt. Trotz diesen unpassenden Rahmenbedingungen, ist die Rundtour durchs Valle de la Luna (Mondtal) und den hier kleineren, aber nicht minder eindrücklichen Versteinerungen, einzigartig. Der Ursprung dieser Bäume geht „nur“ 65 Mio. Jahre zurück, und die Versteinerung erfolgte nicht unter einer Ascheschicht, sondern im Wasser, und die Bäume sind alle in einer bestimmten Sedimentschicht eingebettet. Auch hier fördert sie die Erosion zutage. Dieser Park liegt nahe an der Stadt Sarmiento und ist somit relativ einfach erreichbar. Die Besucherzahl übertrifft diejenige im erstgenannten Park um ein Vielfaches.

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Valle de la luna  – die Farben sind atemberaubend
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In diese Sedimentschicht sind die Baumstämme eingebettet und kommen über die Jahre so langsam ans Tageslicht

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Was aussieht wie eine Finnenbahn, sind versteinerte Holzschnitzel

Nützliches Vokabular
el árbol – der Baum
el bosque – der Wald
petrificado – versteinert
la piña – Zapfen von Koniferen
explicar – erklären

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gaby Egli sagt:

    Die zwei letzten Bilder gefallen mir besonders gut! So versteinerte Holzschnitzel haben doch Platz im Container…. Und der Echser auf dem Titelbild ist auch super – der hat so ein zufreidenes Lächeln auf den „Lippen“.

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  2. Beat Ambühl sagt:

    sehr interessanter beitrag und mega schöne bilder (dem würde selbst mein hochbegabter fotokursinstruktor beipflichten😉).
    freue mich auf kommendes von euch, vielleicht sogar von epecuén…

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