Eine Lagune ganz für uns

Vom Spätsommer wechseln wir langsam in den Herbst hinüber. Gestern Abend hatten wir das Auto so gestellt, dass wir die Abendsonne bis zum letzten Strahl geniessen konnten. Der Preis dafür war, dass uns die Sonne heute morgen erst nach halb zehn erreichte, und dass die Scheiben gefroren blieben bis fast um zehn Uhr.

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Das ist die Nacht zuvor ganz anders gewesen: im Hochtal westlich des Pichachén-Passes (2060 m), in den 50 km “Niemandsland” zwischen der chilenischen und der argentinischen Zollstelle, war in der Nacht ein starker, warmer Westwind aufgekommen, sodass wir am Morgen gleich kurze Hosen anziehen konnten. In der Morgensonne fuhren wir über den Pass und reisten ohne Probleme zum viertenmal nach Argentinien ein. Überall ist es extrem trocken. Dort wo nicht unmittelbar Wasser fliesst oder steht, ist das Gras verdorrt. Je länger der Tag andauerte, umso mehr entwickelte sich der Wind zu einer Art Föhnsturm. Er wirbelte riesige Staubwolken auf und peitschte sie mit 40 km/h durch die Landschaft. Draussen sitzen war unmöglich.

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Sicht von der Pichachén-Passstrasse (chilenische Seite)

Heute also kein warmer Wind. Wir machen uns auf zur Lagune Vaca Lauquén (1560 m.ü.M), die uns gestern beim Mittagessen (Sorrentines con Salsa Boloñese für Jeannine, Milanesa con Puré für Oliver) ein Einheimischer spontan empfohlen hatte. «Unmittelbar vor dem Posten der Gendarmería Nacional müsst Ihr links abbiegen und dann immer der Piste entlang. Ich bin sicher, es wird Euch gefallen!». In Wahrheit sei die Lagune aber ein See, weil es ja einen Zu- und einen Abfluss gäbe. Aha! diese Unterscheidung war uns bisher entgangen.

Mit der Morgensonne im Rücken nehmen wir den Weg unter die Räder. Die Schotterstrasse ist zuerst noch eine schöne, richtige Piste — der Grader (Strassenhobel) ist gerade an der Arbeit. Dann werden aus der Piste zwei Radspuren, die im Zickzack durch die Weiden führen. Schon bald erreichen wir die erste Wasserdurchquerung (nur ca. 40 cm), dann eine zweite. Schafe, Pferde, Ziegen. Links in den Weidenbäumen eine Estancia. Gatter auf, Gatter zu; Gatter auf, Gatter zu. Das Panorama ist betörend. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Lagune. Unglaublich! Wir wenden das Fahrzeug, damit die Nase im Wind steht, und damit unser Panoramafenster Ausblick auf die Lagune hat. Jeannine kocht einen Kaffee, den wir mit Blick übers tintenblaue Wasser in das Andenhochtal hinein geniessen. Der Bergkamm ist zugleich auch die Landesgrenze zu Chile.
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Wir brauchen gar nicht zu diskutieren, ob wir heute noch weiterfahren. Wir sind neben Kühen, Ziegen und Wildgänsen die einzigen hier — das müssen wir unbedingt geniessen!

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Dass wir richtig entschieden hatten, die Nacht an der Laguna Vaca Lauquen zu verbringen statt auf dem Camping der populäreren Lagunen Epu Lauquen im nächsten Tal, sollte sich tags darauf zeigen. Bevor sie das Tor öffnet, müssen wir uns mit vielen Details bei der freundlichen Polizistin der Gendarmería Nacional registrieren. Dann, 100 m weiter, noch einmal im Informationsbüro des Naturschutzgebiets. Der Eintritt ist nur 10 Pesos pro Person (70 Rappen), die Lagunen sind schön, alles ist touristisch erschlossen, mit schönen Tischlein, Feuerstellen, Abfalleimern und Hinweistafeln. Aber es hat halt nicht denselben Charme, wie eine Lagune für eine Nacht ganz für sich allein zu haben.

Nützliches Vokabular

las sorrentines — kreisrunde Ravioli
la milanesa — paniertes Rinderschnitzel
el puré — Kartoffelstock

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    In dieser Lagune lässt es sich aber sehr gut „chillen“. Genuss pur und die Ruhe schon fast unheimlich.
    Ich hoffe, es gibt weiterhin so schöne Orte wo ihr auch von den „Reisestrapatzen“ erholen könnt. Geniesst es!

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