Der Rallye auf der Spur

Gespannt sind wir auf diesen kleinen Ort Fiambalá in der nördlichen Precordillera Argentiniens.

Auf dem Dorfplatz dieser Oasenstadt thront eine Trophäe, die auf die Dakar Rallye hinweist, welche hier bereits drei mal Station machte. Die Rallye Dakar ist die bekannteste Wüstenrallye der Welt und der Wettkampf dauert 14 Tage. Von 1978 bis 2007 wurde sie hauptsächlich auf dem afrikanischen (Paris – Dakar) und seit 2009 auf dem südamerikanischen Kontinent ausgetragen.

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Hauptstrasse in Fiambalá

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Bei unserer Erkundung der umliegenden Landschaft und den einzigartigen Dünen, stossen wir in ein winziges Dörfchen mit dem Namen Tatón vor. Eingebettet in farbige Felsen, durchströmt von einem grossen Fluss (mit zur Zeit sehr wenig Wasser) muten die einfachen Adobe-Häuser einladend und authentisch an. Wir fahren am staubigen Sand-Fussballplatz vorbei, wo gerade ein Spiel der Dorfjugend im Gang ist. Jungs und Mädels jeglichen Alters versuchen Tore zu erzielen. Unsere Ankunft lenkt sie ab, die Fans, die an der Seitenlinie stehen, winken uns zu.
Wir fahren ans Flussufer, um eine Kleinigkeit zu essen, denn es ist Mittagszeit. Noch bevor das Essen bereit ist, kommt ein Grüppchen Jugendlicher vorbei. Die Mädchen kichern scheu und ein junger Mann traut sich, uns Fragen zu stellen. Nachdem der grösste „Gwunder“ gestillt ist, fragt er uns sehr anständig, wie lange wir denn noch hier bleiben würden. Seine Mutter würde sich so freuen, uns kennen zu lernen, sei es doch ein grosser Traum von ihr, einmal in die Schweiz zu reisen.
Wir warten … und plötzlich taucht Dora auf mit grossem Hallo und Freudentränen – so werden wohl auch die Rallyefahrer begrüsst in Tatón! Sie hat die Flaggen Argentiniens und der Provinz Catamarca mitgebracht, und beide müssen natürlich mit aufs Foto. Wir werden beschenkt mit dulce de membrillo sowie mit einer kunstvollen Handarbeit von Juliana, und der Sohn erntet frische, süsse Trauben für uns. Wir verbringen den halben Nachmittag plaudernd und lachend im sehr einfachen Elternhaus von Dora, das sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Sohn wieder in Schwung bringen möchte. Diese unerwartete Gastfreundschaft berührt uns sehr. Aber trotz des liebenswerten Angebots, die Nacht auf dem Parkplatz vor dem Haus zu verbringen, zieht es uns in die Wildnis …

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Die jungfräulichen Dünen, welchen wir auf dem Weg nach Tatón entlang gefahren waren, reizen uns sehr. Ein einsames Dünencamp finden und erreichen wir im Halbdunkeln problemlos, lediglich die Durchquerung eines ausgetrockneten Flussbetts ist notwendig, um einen wind- und sichtgeschützten Ort zwischen Dünen zu finden. Obwohl wir bis anhin in der Sahara immer einem Tourenleiter-Fahrzeug folgen konnten, trauen wir uns und Kasbah am nächsten Morgen das Überqueren einiger Sanddünen zu, sind aber froh, keinen Kurs auf Zeit absolvieren zu müssen wie die Rallyefahrer.

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Oase in der Wüste

Die vorhandene Infrastruktur im Dorf Fiambalá scheint schon länger nicht mehr im ganzen Umfang genutzt worden zu sein, und wir fragen uns, wieviele der 350 Teilnehmer und deren Fans hier beherbergt werden könnten. Wir werden es nicht so schnell erfahren, denn die Austragung 2016 haben wir verpasst und ob es 2017 passt ist ungewiss – reizen würde es uns schon, mal live dabei sein zu können bei diesem Spektakel. Man erzählt uns, dass die Wettkämpfer jeweils hier Station machen und zwei Tagesprüfungen absolvieren müssen, die durch das Gebiet der uns mittlerweile bekannten Sanddünen führen.

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Hübsche Kirche in der Region

Nützliches Vokabular

Dulce de membrillo – Quittenmarmelade, aber so dick eingekocht, dass es wie ein Kuchen geschnitten werden kann. Dazu wird oft ein Stück Halbhartkäse (ähnlich wie Tilsiter) serviert.
la arena – Sand
la duna – Düne

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    Einmal mehr: Mega spannend, was ihr so alles erlebt, sei es mit den Bewohnern und auf der Fahrt.
    Weiterhin eine gute Zeit. Aus der Schweiz, der ein verregnetes Pfingstweekend bevorsteht, grüsse ich und wünsche eine gute Weiterfahrt – nicht gar so schnell wie die Rally-Fahrer.

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