Outback Südamerika, Teil 2

Die Sonne tritt über den Horizont und scheint uns ins Kabäuschen. Es ist kalt heute Morgen, und weil wir das Dach einen Spalt offengelassen haben, ist es nicht nur draussen kalt. Eine Hand sucht ihren Weg von unter der Bettdecke zum Schalter für die Standheizung. Das Vorglühen dauert eine Minute, das elektrische Gebläse beginnt zu säuseln, dann beginnt die Magnetpumpe mit rhythmischem «Klack … klack … klack …» Diesel aus dem Tank zu fördern. Doch statt dass das Gebläse nach einer Weile einen Zacken zulegt, und die Magnetpumpe schneller tickt, stellen beide ab — kein gutes Zeichen. Zweiter Versuch, dasselbe Ergebnis. Nun sind wir definitiv wach. Rasch die dicken Kleider angezogen und raus an die Sonne.

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Oliver kontrolliert zuerst das Schauglas des Separ-Filters (dieses hält ungewolltes Wasser im Diesel zurück, welches Gift ist für moderne Diesel-Injektoren): «Aha! habe ich’s mir doch gedacht. Schau mal!». Statt klar ist der Diesel trüb wie Milchwasser und wolkig. «Dann haben die uns in Tinogasta also keinen Winterdiesel verkauft.» — Wir hatten auch nicht danach gefragt … Reiner (Sommer-) Diesel beginnt nämlich bereits knapp unter 0°C zu einer Art Gel zu werden, der sich nicht mehr pumpen lässt. Eigentlich auch keine Überraschung, denn wir befinden uns auf 3500 m.ü.M., die Nacht war sternenklar und ohne Wind, während dieser im Laufe des Tages jeweils fast orkanartig wird.

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So sollte es aussehen …
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Diesel geliert.

Jeannine kocht Zmorge, und als Oliver mit dem Abwasch fertig ist, sieht der Diesel wieder klar aus. Die Dieselpumpe gibt aber noch ungewohnte Geräusche von sich, sodass wir eine halbe Stunde später abfahren als sonst. Heute Abend werden wir Kasbah mit dem Hauptank (wir haben zwei Dieseltanks) zur Morgensonne stellen!

Als erstes rattern wir über knapp 20 km ziemlich üble Wellblechpiste, dann biegen wir beim geometrisch genauen Vulkankrater Cono de Arita auf den Salar de Arizaro ein. Nicht ganz so hübsch und weiss wie der Salar de Uyuni, aber immerhin 1600 km2gross (1/25 Schweiz). Wir befinden uns wieder einmal im argentinischen Outback, diesmal westlich von Salta, und fahren nach 60 km Salar ein Stück parallel zur Linie des legendären Tren a las Nubes (Zug zu den Wolken).

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Am Freitag Nachmittag sind wir nördlich von Belén (1250 m) Richtung Antofogasta de la Sierra abgebogen und nahmen für eineinhalb Stunden eine “Autostopperin” mit. Am Samstag besuchten wir unterwegs das Campo Piedra de Pómes.

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Campo Piedra de Pómes (Bimssteinfeld), die einzelnen Felsen sind 4-10 m hoch

Am Sonntag haben wir uns in Antofogasta (3200 m) vergewissert, dass die Route über Antofalla die schönere ist, und haben frisches pan casero gekauft. Antofogasta ist ein typisches Wüstendorf in den hohen Anden. Das Klima ist rau: im Sommer extrem heiss, im Winter sehr kalt und windig — und immer staubig.

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Antofogasta vom Haushügel betrachtet
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Nur aufgrund eines Tipps als Backstube erkannt …
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… aber tatsächlich eine Backstube!
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Ein sehr spezielles pan casero: einen Blätterteigstreifen längs gefaltet, seitlich eingeschnitten und zu einem Kreis verbunden

Weiter ging es über einen namenlosen Pass (4577 m)bei Antofalla zu einem der bisher eindrücklichsten miradores . Am Himmel waren Wolken aufgezogen, die die Dramatik der Stimmungen noch zusätzlich befeuerten.

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Vicuñas und gefrorener Bach

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Die Puna

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Nach Antofalla waren es gut zwei Stunden über eine Rüttelpiste durch die Puna zu unserem “kalten” Nachtlager. Die Kamera hatte einmal mehr kaum eine Ruhepause.

Bis wir heute Abend inmitten eines Sandsturms vor der Argentinischen Gendarmería Nacional (Grenzschutz) am Paso Sico ankommen, werden wir in zwei Tagen (seit Antofogasta) genau ein fahrendes Auto gesehen haben. Seit Belén waren es 630 km.

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Am folgenden Morgen vor dem „Gästehaus“ der Gendarmería: Haupttank in der Sonne 🙂

Nützliches Vokabular

el pan casero — hausgemachtes Brot
el mirador — Aussichtspunkt
la puna — karge Andenlandschaft, in der es nur noch Büschelgras gibt; typischweise über 3500 m.

P.S. Auch der Schweizer Diesel geliert, wenn er zu kalt wird. Damit dies nicht passiert, liefern die Raffinerien in den kalten Monaten sogn. “Winterdiesel”. Zur Not kann man auch eine Mischung aus 2-Takt-Öl und Kerosen beigeben. Aber solches muss man eben erst zur Hand haben …

 

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    Das mit dem Diesel kann jedem passieren. Wer denkt denn im T-Shirt schon an Minustemperaturen. Die Meter über Meer werden unterschätzt und darum kommts zu solchen Zwischenfällen. Was aber machen die Bewohner mit diesem Umstand? Sie kennen das uns müssten doch Erfahrung (also auch Winterdiesel oder Zusätze) damit haben. Oder warten sie einfach, bis die Sonne alles erwärmt und auftaut?
    Dafür ist die Gegend super schön – diese Grösse: Gigantisch. Und immer wieder werde ich an die Verfilmung der Karl May-Bücher erinnert. Da reiten die Cowboys durch die Steppe und hinter den klippen lauern die Indianer und dann …..

    Ich wünsche euch eine gute Reisezeit und hoffentlich in der Prärie keine Panne, denn dass wäre ein langer Fussweg.

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    1. uncachito sagt:

      Die Einheimischen fahren meist alte Kisten, denen sie irgendwelche (billigen) Hausmittelchen in den Tank schütten, damit der Diesel nicht geliert, oder sie haben eine Garage, in der die Temperatur nicht ganz so arg absinkt. Oder dann geliert der Diesel im Tank halt und sie kommen ein paar Stunden später von zuhause los. Das sehen die hier auch nicht so eng …

      Es gibt kommerziell erhältliche Additive, doch der Bremach-Vertreter rät davon ab, wenn es anders geht.

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  2. Katharina sagt:

    Wow, tolle Fotos!!! Bin in ein paar Wochen auch in Santa und Umgebung und freue mich jetzt noch mehr auf diese „Mondlandschaft“.

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    1. uncachito sagt:

      Danke für den netten Kommentar und jetzt schon viele schöne Erlebnisse in dieser traumhaften Gegend. Aber das Akklimatisieren nicht vergessen: ab spätestens 3000 m nur +500 Höhenmeter pro Tag und viiiiel trinken.

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