¡Pare!

«¿De dónde vienen, a dónde va, amigo (woher, wohin, mein Freund)?» haspelt der argentinische Gendarm, worauf wir zwei Sekunden brauchen, um die Fragen zu decodieren, die ziemlich sinnlos sind, weil wir ja irgendetwas zur Antwort geben könnten. Vielleicht auch nicht, denn das Polizeipersonal ist sicher extrem gut geschult, und kann alleine aus der Art, wie wir die Fragen beantworten, ableiten, ob wir verdächtige Subjekte sind 😉

Am Eingang in die kleine Grenzstadt mit dem eingängigen Namen Profesor Salvador Mazza werden wir angehalten, um 10 Pesos (70 Rappen) Wegzoll zu zahlen. Wir sind konsterniert, weil uns das bisher in Argentinien noch nie widerfahren ist. Da wir vom Gemeindeangestellten eine Quittung mit Stempel erhalten, bezahlen wir, und die Schnur, welche Barrierefunktion hat, wird zu Boden gelassen. Wir fahren zur Aduana, mitten im Ort. Weil sich zweifelhafte Gestalten umtreiben, bleibt Jeannine im Auto und Oliver zieht los mit Reisepässen und Autopapieren. So funktionierts leider nicht – die Beamten möchten uns gemeinsam sehen. Widerwillig verlassen wir beide das Auto. Das Hin und Her dauert eineinhalb Stunden. Dabei müssen wir immer wieder Schranken übersteigen und haben vor dem offiziellen Grenzübertritt die Grenze mindestens schon sechsmal überquert.

Der Schlagbaum wird gehoben und wir fahren rein nach Bolivien. Nach 100m das nächste Pare. Strassengebühr für die Stadt Yacuiba. Wir haben noch keine Bolivianos (Bob) und bezahlen 15 Pesos. Neben dem falschen Entscheid, um 14:30Uhr noch den Grenzübertritt zu starten, folgt die zweite Fehlentscheidung an diesem Tag: ohne Bolivianos aus Yacuiba herauszufahren.

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Quittungsdschungel

Den dritten Fehler begehen wir Minuten später. Wir folgen einem Schild, das ein Touristenresort mit Camping anbietet, 20km nördlich der düsteren Stadt Yacuiba. Auf einer holprigen Strasse fahren wir zum Resort, schön am Fluss gelegen, aber leider hinter verschlossenem Tor und unbeaufsichtigt. Also kein Nachtplatz für uns, zumal unser „diskretes“ Fahrzeug wohl jedem Bewohner auf der Zufahrtsstrasse aufgefallen war …
Zurück zum letzten Dorf, und weil mittlerweile dunkel, fragt Oliver zwei Frauen, ob sie nicht einen sicheren Stellplatz für uns hätten. Prompt bieten sie Hand. Wir trinken Mate mit den beiden und erfahren, dass es auf der Hauptstrasse peajes hat – und wir kein Bargeld! Das besorgen wir also am nächsten Morgen, müssen aber dafür zurück nach Yacuiba.

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Nachtlager auf dem Vorplatz des Hauses der einen señora

Die erste angekündigte peaje auf der Ruta F9 folgt 15km nach Yacuiba, die zweite nach 55km. Allerdings reicht es, die Quittung über 7 Bob = 1CHF, von vorhin vorzuweisen – diese wird gelocht. In Villamontes möchten wir den eindrücklichen cañon des Río Pilcomayo besuchen, wo im grossen Stil gefischt wird. Den Zugang kann man sich erkaufen mit einem Ticket im Wert von 5 Bob. Das machen wir.

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Typische peajes (Zahlstellen)

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Cañon des Rio Pilcomayo

Die Fahrt geht weiter auf der Hauptstrasse und nach 20km werden wir bei der nächsten peaje zur Kasse gebeten (3 Bob). 30min später wieder. Allerdings dürfen wir noch nicht weiter fahren. Drei Polizisten warten am Kontrollposten, stellen ein paar Fragen, möchten unser Zolldokument fürs Auto sehen und geben uns mit einem Stempel permiso weiter zu fahren. Uff – alle Kontrollen passiert.

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Das wichtige Zolldokument unseres Autos …
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… mit wachsender Anzahl von Stempeln

 

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Boliviens Strassenalltag – immer wieder anhalten, Papiere zeigen und mit den Beamten ein kurzes Gespräch führen
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Der Polizist nächtigt gar in diesem Häuschen …

Am nächsten Morgen geht es in Boyuibe mit einer Zahlstelle weiter (28 Bob). Später realisieren wir, dass wir eine Retourfahrt bezahlt haben …

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Und gleich die nächste Kontrolle, diesmal das Militär. Es stehen wohl 20 Uniformierte herum und fünf davon kümmern sich um uns. Wir öffnen die Tür zum Wohnzimmer, schaffen es, dass keiner einsteigen will. Gottlob übersehen sie Garage und Küche. Ganz anders die Kollegen im 60km entfernten Camiri. Nachdem wir auch hier zuerst die Weggebühr bezahlen (3 Bob), das Zolldokument des Autos vorgewiesen und abgestempelt haben, möchten drei Militärs unser Auto untersuchen. Ihnen entgeht die hintere Klappe nicht (unsere Küche) und willig öffnen wir auch diese. Im Laufe des Frage- und Antwortspiels merken wir, dass sie uns als Krankentransport identifizierten (wegen unserem Schweizerkreuz) und die Ausstattung so gar nicht ihrer Erwartung entsprach. Mit einem Schmunzeln öffnen auch sie die Schranke.
Nur 5min später werden das Zolldokument und die neuste Quittung kontrolliert und abgestempelt. Zu unserer Erleichterung lassen uns die Polizisten ohne Besichtigung durch.
Nach diesem Marathon biegen wir in eine abenteuerliche Nebenstrasse ein, wo wir die nächsten zwei Tage ohne jegliche Kontrollen verbringen.

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Nein, wir sind keine Ambulanz …

Nützliches Vokabular

pare – Halt!
dónde – wo? woher? wohin?
el amigo – Freund
la aduana – Zoll(amt)
la señora – Dame / Frau
el peaje – Transitgebühr
el permiso – Erlaubnis / Genehmigung

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