Retrospectiva II

Seit der ersten Rückblende sind bereits 3 Monate vergangen, und wir sind um viele Erlebnisse und Eindrücke reicher. Wir laden Dich ein, durch Höhepunkte und Beobachtungen mitzureisen.

Route detail Q2
Weiss gepunktet – frühere Reiseroute; weiss – aktuelle Route; gelb gestrichelt – Landesgrenzen; grün gepunktet – geplante Weiterreise. Die Schneeflocken sind gesperrte Pässe. Die Nummern 1-8 sind im Text referenziert

Itinerario (Übersicht)

Nachdem wir Ende Februar mit dem Lanín erste Vulkanerfahrungen machten, kamen wir auf den Geschmack und haben dies in Chile mit zahlreichen Nationalparksbesuchen vertieft. Auf dem Weg nach Mendoza, wo wir unsere Gastfamilie von 2006 besuchen, testen wir nach längerer Zeit wieder einmal Kasbahs Geländefähigkeit. Es folgen weitere 4WD-Erlebnisse auf unserer Reise entlang der Cordillera nach Norden. Weil wir aufgrund des ungewöhnlich frühen Wintereinbruchs nicht mehr über die Anden nach Chile gelangen, fahren wir zum Teil uns bereits bekannte Strecken, finden aber meist aber hochkarätige Alternativrouten zu unseren früheren Veloreisen, und sind auch dieses Mal total angetan vom Nordwesten Argentiniens. Am 26. April überqueren wir die Anden endlich über den Paso Sico, um in die Region der Atacamawüste mit dem hübschen Touristenzentrum San Pedro de Atacama zu gelangen. Gemeinsam mit den „Reisegspänli“ vom Februar, Silke und Uwe, sowie zwei jungen, aufgestellten Deutschen, entdecken wir die Gegend, bevor sich unsere Wege wieder trennen. Mit dem Grenzübertritt nach Argentinien, verabschiedet sich leider auch das sonnige und trockene Wetter. In Salta machen wir Halt für mehrere Tage, um Kasbah fällige Wartungsarbeiten zu gönnen, und lernen dabei tolle Reisende kennen, die aber alle andere Route nehmen als wir. In die Yungas Argentiniens (①, siehe Karte) begleitet uns das nasse Wetter, welches die Strassen und Wanderwege in einen Sumpf verwandelt. Davon sollen wir auch in Bolivien noch nicht loskommen, dafür geniessen wir die üppige, tropische Vegetation, die uns den Blick auf eine reiche Tierwelt öffnet. Wir erwachen am Morgen wieder mit Vogelgezwitscher und lassen uns von zirpenden Grillen in den Schlaf singen.

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Gemeinsames Morgenessen mit „Reisegspänli“ nach dem Sonnenaufgang bei den Geysiren El Tatio

Volcánes y Termas

Da wir als Schweizer aus einer tektonisch wenig aktiven Zone kommen, üben Vulkanismus (und heisse Quellen als Nebenerscheinung) eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Diese Begeisterung teilen wir mit Claudia und Peider, zwei „alten“ Schweizer Freunden, mit denen wir spontan die Besteigung des Villarica-Vulkans von Pucón (Chile) aus machen. Die speiende Lava vom Kraterrand aus zu beobachten, ist ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn wir ätzende Dämpfe in Kauf nehmen müssen. Alle weiteren Vulkane geniessen wir ohne Schutzmaske, allerdings schlucken und atmen wir z.T. recht viel Staub … (siehe die Blogs Tanz auf dem Vulkan, Teil 1Tanz auf dem Vulkan, Teil 2Tanz auf dem Vulkan, Teil 3)

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Wanderung im Parque Nacional Conguillío am Volcán Sierra Nevada (Chile)

Das Angebot an heissen Quellen ist insbesondere in den chilenischen Regionen Auracanía (2) und Los Ríos (3) riesig. Diese reichen von einfachen Erdlöchern, über rustikale Holzbottiche bis hin zu exklusiven Badelandschaften mit toll angelegten Becken in einer einzigartigen Umgebung, wie wir es in den spektakulären Termas Geométricas finden.

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Termas Geométricas
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Nachtbad im Holzbottich der Termas San Sebastian
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Rustikale Termas Aguas Calientes in Argentinien (diesen Namen tragen mindestens 5 Orte, denen wir bisher in Südamerika begegnet sind)

4WDing

Obwohl wir ein sehr fähiges Fahrzeug haben, setzen wir es meist auf Teer- oder guten Schotterstrassen ein. Wenn wir aber Wege entdecken, welche uns auf etwas abenteuerlicheren Strecken an einzigartige Orte bringen, sind wir nie abgeneigt, uns darauf einzulassen. So finden wir im Norden der Provinz Neuquén in Argentinien für fünf Tage die Einsamkeit, geniessen traumhafte Übernachtungsplätze, und einen Tag lang fahren wir ausschliesslich in der Geländeuntersetzung. In fünf Fahrstunden legen wir gerade mal 58 km zurück. (Outback Südamerika, Teil 1)
Ähnlich erleben wir die zwei Tage auf der Strecke zur Mina la Mejicana, um diese sehr eindrückliche, stillgelegte Gold- und Silbermine zu besuchen. Hier kommt noch die bisher nicht getestete Höhenerfahrung dazu. Die Strecke führt hoch auf 4603 m.ü.M. und die Steilheit erreicht ein Maximum von 18° (Wintereinbruch).
Die schlechteren Strassen in Bolivien sind auch für normale PWs befahrbar (wir staunen immer wieder) — bis es regnet, und dann ist Schluss. So sind wir auf der Ruta 22 (Ipitá nach Vallegrande, siehe 4), wo uns der Regen überrascht, sehr froh um unsere Differenzialsperren; die Untersetzung brauchen wir nicht, aber ganz viel Konzentration. Und ein furchtbar schmutziges Auto müssen wir auch in Kauf nehmen. (Am Río Grande).

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Puna und schwindelerregende Höhen

Ab Mitte April bewegen wir uns immer wieder auf Höhen zwischen 4000 und 5000 m.ü.M., womit unser Auto wenig Probleme hat — und wir gottlob auch nicht. Die planbare Höhenadaptation ist ein grosser Vorteil der Individualreise mit eigenem Auto. Die vegetationsarme Umgebung auf diesen Höhen kennen wir bereits. Der besondere Reiz sind jedoch die unglaublichen Farben und Kontraste. Die Berge zeigen ein Spektrum zwischen Gelb und Ocker, Rot bis Braun, auch Grün-, Blau und sogar Violettöne kommen vor. Und zum Teil bildet goldgelbes oder hellgrünes Steppengras eine Abrundung dieses Spektakels. Ganz oft sehen wir Herden von Vicuñas (Vertreter der Familie Kamele, und zierlicher in ihrer Gestalt als die Guanacos im Süden), die in dieser Kargheit zu fressen finden.

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Aussichtspunkt auf die Gegend von Antofalla (5)
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Vicuñas auf dem Paso San Franciso (6) im Hintergrund der Vulkan Incahuasi

Mendoza – Zuhause

Über unseren Besuch in Mendoza haben wir bereits in zwei Blogs berichtet (Ein bisschen Paris in MendozaDon’t cry for me …). Es war ein sehr herzliches Wiedersehen mit unserer Gastfamilie von 2006. Obwohl wir bereits ein wenig Südamerikaerfahrung haben, wussten wir nicht recht, wie willkommen wir sein würden, weil es sehr schwierig war, Antworten auf unsere Mails zu erhalten. So gehen wir ohne grosse Erwartungen und sind überwältigt, dass bereits am ersten Abend die ganze Verwandtschaft aufgeboten wird, und wir im Haus von Delia das erste Mal feieren. Es gefällt uns so gut, dass wir zwei Wochen dort bleiben, und der Kasbah bekom einbruchsichere Folien auf die Fenster verpasst. Das ist nämlich ein Teil des Geschäfts von zwei der drei Söhne Delias.

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Das Nachtessen ist noch nicht ganz bereit … An Jeannines rechter Seite sitzt Delia, unsere liebenswerte Gastgeberin
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Oliver mit Fernando (li) und Adrian (re) im taller

Tropen

Nach den vielen Höhenerfahrungen fahren wir von San Pedro über den letzten Andenpass (den Paso Jama, 7) nach Salta (Argentinien). Auf dem Weg nach Bolivien, in welches wir in Yacuíba einreisen, überqueren wir den Wendekreis und sind in den Tropen. Allzu tropisch fühlt sich das jedoch noch zwei Wochen lang nicht an, nur die Feuchtigkeit und die üppige Vegetation passen. Den Nebelwald entdecken wir im Parque Nacional Amboró, in der Region von Samaipata (8), und ab sofort dominieren wieder das Vogelgezwitscher und das Grillengezirpe die Morgen- resp. Abendidylle (sofern es nicht regnet). Weil es uns in Samaipata so gut gefällt, lassen wir Kasbah dort stehen und machen eine Städtereise nach Santa Cruz, wo wir insbesondere die typisch bolivianischen Märkte und die schöne Architektur im historischen Teil der Stadt geniessen.

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Der idyllische Campingplatz auf der Finca la Vispera in Samaipata (Bolivien)
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Sicht auf die Umgebung von Samaipata
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Kormoran im Nebelwald des Parque Nacional Amboró

Numéricos

  • 8’200 gefahrene Kilometer
  • Kasbah, unser treues Reisemobil, hat am 23. März die 100’000km-Marke überschritten.
  • Pannen: Dieselheizung hat einmal versagt wegen geliertem Diesel und mehrfach aus ungeklärten Gründen. Seit aber Oliver die neue Dosierpumpe eingebaut hat (eines der wenigen Ersatzteile, die wir mitführten), funktioniert sie wieder einwandfrei; dank Höhenadaptions-Kit auch auf 4300 m.ü.M.!
  • 4 Grenzübertritte zwischen Argentinien und Chile, 1 zwischen Argentinien und Bolivien
  • 2 mal Räder rotiert und einmal die Reifen auf den Felgen drehen lassen (innen – aussen)
  • 2 mal die Autofähre benutzt
  • 9 Grosseinkäufe (= Lebensmittel für mindestens eine Woche) getätigt
  • 57% unserer Zeit in Argentinien, 25% in Chile und 18% in Bolivien verbracht

¡Barbaro!

In diesen drei Monaten haben wir mindestens 20 unschlagbare Übernachtungsplätze in der Natur gefunden. Das schlägt die besten Zeiten in Australien

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El cóndor pasa … Beim Aufstieg auf den Vulkan Lonquimay, streift ein grosser Schatten über uns und beim Blick in den Himmel entdecken wir Cóndores ganz nah! Überwältigend wie majestätisch sich diese Vögel in der Luft bewegen
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Ein fürstliches Essen genossen wir mit Delia und Fernando in der Bodega Zucchardi in Mendoza
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Im Parque Nacional El Rey (1) haben wir unglaublich viele Schmetterlinge gesehen, eine solche Vielfalt hatten wir kaum je zuvor
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Die tollen Steinformationen Piedra Pomez bescherten uns einen einzigartigen Picknickplatz (südlich von 5)
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Die beste Abendstimmung erlebten wir bei der Gendarmería auf dem Paso Sico (7)
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Die Geysire El Tatio, welche wir vor Sonnenaufgang besuchten, waren ein absolutes Highlight (nordwestlich von 7)

In bester Erinnerung bleibt uns auch der Besuch der Jineteada in Salta (¡Buena la Jineteada!)

¡Lástima!

Die lange Geschichte der erfolglosen Andenüberquerung im April (Wintereinbruch) ist so nicht geplant und etwas mühsam, beschert uns aber schlussendlich tolle Erlebnisse.

Je weiter wir nördlich reisen in Argentinien, desto mehr Abfall liegt rum, und die ersten zwei Fahrtage in Bolivien zeigen ein gleich düsteres Bild. Glücklicherweise ist das aber auf diese Region beschränkt wie wir bei der Weiterreise erleichtert feststellen …

Wir waschen unser Auto relativ selten, verglichen mit anderen Reisenden. Wenn wir es aber tun, ist schon fast garantiert, dass es noch am selben oder spätestens am nächsten Tag regnet, zum Teil bevor die Arbeiten „unter dem Auto“ (jeweils der Hauptgrund für eine Wäsche) erledigt sind.

Vollsynthetisches Motorenöl zu bekommen in Salta ist ein halbtägiger Postenlauf. Wir steuern sechs Geschäfte an und werden immer wieder zum nächsten geschickt.

Reiseinformationen in Bolivien zu besorgen (insbesondere für den Osten) ist SCHWIERIG. Reisen für Fortgeschrittene also.

In Argentinien an Geld zu kommen ist ein Trauerspiel (Reisealltag – Bezahlen)

¡Migas!

Der neue Mückenvorhang ist fertig! Nachdem wir in Australien die Fliegenplage mit einem billigen, gekauften Billigvorhang mit Magnetverschluss eindämmten (der den Zweck tat aber nicht dauerhaft war), haben wir in der Schweiz, auf Elsbeths (Olivers Mutter) Nähmaschine einen neuen fabriziert, mit wunderbarem Stoff vom Campingprofi. Er war aber bewusst nur zu 90% fertig gestellt und Jeannine darf  bei Delia die Nähmaschine benutzen und macht den „Finish“. Es ist ein Glanzstück! Schliesst perfekt und hält sogar dem Winddruck von aussen stand! (Details)

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Das Einkaufen in Bolivien ist sehr anders als in Argentinien und Chile. Supermärkte gibt es nur in grossen Städten, und was im Süden in den Almacénes erstanden wird, gibt es in Bolivien auf Märkten, die bunt, laut und gewöhnungsbedürftig/fremd sind (Stichwort Kulturschock).

Próximamente

Reise durch den Oriente Boliviens, Pantanal Brasiliens (Juni), Tiefland und Amazonasbecken Boliviens (Juni und anfangs Juli). Dann nach Peru (Juli) und weiter nach Ecuador (anfangs August); zurück nach Peru Richtung Süden auf einer anderen Route (August und anfangs September)

Nützliches Vokabular

la soledad – Einsamkeit
el taller – Werkstatt
el cóndor – Kondor (Vogel)
el rey – König
la piedra pómez – Bimsstein
la cuesta – Bergrücken / Abhang
el almacén – Tante-Emma Laden

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ursula sagt:

    wie immer spannend öiii biträg, liese geng sehr gärn, lg us dr länggass

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    1. otrocachito sagt:

      Solche Kommentare freuen uns immer wieder. Danke Ursula und ein lieber Gruss zurück

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  2. Beat Ambühl sagt:

    süffiger text und wirklich wunderschöne bilder!!!
    weiterhin eine gute reise und gniessets. lg beat

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  3. Stefan Graber sagt:

    Super Zusammenfassung. Bringt einem nochmals vieles in Erinnerung.

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