Fast oder ganz einen Jaguar sehen?

Heute sind wir unterwegs bevor uns die ersten Sonnenstrahlen in der Nase kitzeln. Beim Bootssteg des Rio São Lourenço ist alles bereit für die Besucher, welche entweder zu dieser frühen Stunde fischen gehen oder auf einer Safari Tiere beobachten wollen . Bei letzteren stellt sich unisono die Frage – werden wir wohl einen Jaguar sehen oder nicht?

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Wir sind in der „Sackgasse“ der Transpantaneira, in Porto Jofre „gestrandet“.

1970 hat die brasilianische Regierung beschlossen, eine Strasse von Nord nach Süd, durch den brasilianischen Pantanal zu legen – von Cuiabá nach Corumbá. Dieses 210’000 km2 grosse Wetland (Feuchtgebiet) im Zentrum Südamerikas liegt hauptsächlich in Brasilien. Bolivien und Paraguay beheimaten zusammen weniger als die Hälfte der Fläche. Als man mit dem Strassen- und Brückenbau 145km bis nach Porto Jofre vorgerückt war, wurde das Projekt gestoppt und die Idee hinterfragt, eine Strasse in ein Gebiet zu legen das sechs Monate im Jahr unter Wasser steht.

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Wir sind vier Passagiere und ein Kapitän,  Julie und Marcus aus UK, die in einem wunderbaren Iveco Daily 4×4 reisen, sind mit uns. Gemeinsam mit ihnen werden wir auch den Rest des Pantanals bereisen.

Dick eingemummt brausen wir los. Wir haben das Boot mit dem stärkeren Motor gebucht, insbesondere um schnell agieren zu können, wenn irgendwo ein Jaguar gesichtet wird. Die Kapitäne kommunizieren über Funk, um den Gästen möglichst viel bieten zu können – natürlich bleibt dadurch die Exklusivität auf der Strecke.

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Rechts mit der Tarnjacke Branco unser Kapitän

Obwohl unser Kapitän Branco wenig mit uns spricht, scheint es uns, dass er weiss, was er macht und uns dort hinführt, wo Tiere zu sehen sind. Auch wählt er das Tempo geschickt, denn das letzte, was wir möchten, ist, dass wir die Tiere in die Flucht jagen. Dank Brancos Gespür können wir Flussotter beim Frühstück, Kaimane auf der Lauer, Capybaras in Versteinerungspose und zahlreiche bekannte und unbekannte Vögel beobachten. Unsere fliegenden Lieblinge sind die Kingfisher, die hier in fünf verschiedenen Arten vorkommen, und natürlich die eindrücklichen Jabirus (grösste Storchenart).

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Ein Capybara (Wasserschwein)
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Jabiru auf Nahrungssuche, darum sieht man den schwarzen Kopf mit dem typischen roten Halsband nicht
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Ein Kingfisher – hier in der grünen Version

Plötzlich: ein Funkruf, von dem wir allerdings nichts verstehen, aber der Kapitän gibt Gas und braust los. Die Passagiere zweier Boote schauen angestrengt in das Dickicht der Uferregion, möchten uns aber nicht verraten, was sie wo sehen. Natürlich sind wir ausgerüstet mit Feldstechern und scannen das Gebüsch ab. Da! Etwas gelblich-dunkelbraun Geflecktes, welches das Fell einer Wildkatze sein könnte. Zehn Minuten bewegt sich gar nichts. Die beiden anderen Boote sind schon weiter gezogen, und jetzt klärt uns Branco auf, dass es wohl ein Jaguar sei, der sich nach einem üppigen Mahl ausruht und schläft. Das würde die Unbeweglichkeit erklären. Wir sind nicht restlos überzeugt und uns einig, dass wir bis dahin nur „fast“ einen Jaguar gesehen haben. Wir merken langsam, dass Branco einfach zu scheu ist, um mit uns zu kommunizieren, weil wir kein Portugiesisch sprechen. Allerdings verstehen wir es ein bisschen, und er versteht ein wenig Spanisch.
Der zweite Funkruf entpuppt sich als Fehlalarm, dem 3 Boote folgen. Es wird langsam knapp, bereits 5 Stunden sind wir unterwegs, die Augen müde vom konzentriert umherschauen.
Branco biegt in einen weiteren, breiten Flussarm ein, folgt den Mäandern. Nach jeder Kurve ein neuer Ausblick. Und dann: total unerwartet erblicken wir alle fünf gleichzeitig einen jungen Jaguar der sich auf einer Sandbank sonnt. Wahrscheinlich hat er vor kurzem den Fluss durchschwommen und trocknet sich jetzt in der Sonne. Branco stoppt, und wir können die Blicke nicht von diesem Prachtstier nehmen, was es offensichtlich etwas verunsichert. Der Jaguar dreht sich um und trottet in den Busch. Wir sind überwältigt!
Als schöne Abrundung dieser Tour sehen wir noch ein Stachelschwein in einer Baumkrone – für uns eher erstaunliches Habitat …

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Bild: Marcus Tuck www.tuckstruck.net

Glücklich aber müde kehren wir zu unserem tollen Camp in der grosszügigen Anlage des Hotel Porto Jofre zurück, das wir gratis benutzen dürfen, wenn wir eine Bootsafari buchen. Dieser Platz zwischen dem riesigen Teich mit Viktoriaseerosen und dem Fluss ist traumhaft. Wir bleiben sechs Nächte.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. wow einfach traumhaft, da wird man glatt neidisch 😉 lbg markus

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    1. otrocachito sagt:

      Salut Markus
      Im Zürcher Zoo solls auch ein „Pantanal“ geben, vielleicht wäre das ein Ferienprogramm mit den Kindern? Danke für Deine Zeilen und Gruss
      Jeannine

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  2. Stefan Graber sagt:

    Wunderbar diese Tierwelt! Danke für die vielen schönen Bilder

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