Muito Bonito

Bei Gustavo sitzen wir mit Julie und Marcus eigentlich nur, weil in Bonito alles so anders läuft. Wir lassen uns von ihm beraten, wir reservieren und bezahlen unseren Besuch von Atraktivitäten bei ihm. Taucherbrillen und Schnorchel für den Rio da Prata (Silberfluss) hätten wir zwar selbst, aber man kann in Bonito nicht einfach ein bisschen auf eigene Faust schnorcheln gehen.

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Gustavo von Echoes Tour. Seine direkte Art macht es uns einfach herauszufinden, wofür es sich lohnt Geld auszugeben und wofür eher nicht. Er lebte zwei Jahre in London und spricht deshalb sehr gut englisch.

Die offizielle Touristeninformation von Bonito (17’000 Einwohner) ist nicht nur kaum auffindbar, sondern auch kaum als solche eingerichtet, und die zwei Damen dort sprechen nur portugiesisch. Es ist aber nicht so, dass die Gemeinde nichts für die Touristen tut — das Gegenteil! ist wahr —sie tut es nur ganz anders als andere Touristenorte.

Bonito ist gesegnet mit einer lieblichen, von Palmen und tropischen Wäldchen gesprinkelten Landschaft; mit glasklaren, lauwarmen, fischreichen Flüssen; mit tiefblauen Lagunen; mit faszinierenden Höhlen und Wasserfällen. Alles muito bonito (“muitu bonitu”), um nicht zu sagen: spektakulär.

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Im Rio da Prata (Bild: Echoes Tour, mangels eigener Unterwasserkamera)

Praktisch alle Sehenswürdigkeiten befinden sich auf Privatland, aber im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung hat die Gemeindeverwaltung von Bonito strenge Regeln erlassen. Fast alle Attraktionen müssen im voraus reserviert und mit Führer besucht werden. Die Kleinstadt ist deshalb voll von Agenturen, die Trips verkaufen und in das zentrale Reservationssystem einbuchen. Eine Touristeninformationstelle im klassischen Sinn erübrigt sich deshalb. Die Preise sind überall gleich und nicht verhandelbar. Die Veranstalter müssen sich zertifizieren lassen, müssen Versicherungen abschliessen. Bonito ist ein Vorzeigemodell für nachhaltigen Tourismus. Die Stadt ist aufgeräumt und sauber, die Arbeitslosigkeit ist tief, Kriminalität gibt es kaum.

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An der Praça (Platz) von Bonito. Hinter dem schwarzen Auto, mit der gestreiften Store, unsere Lieblingsglacéadresse
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Farbenfroh und zahlreich: Bonitos Restaurants
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Das Olympische Feuer macht Station in Bonito
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Abfalltrennung

Mit Gustavo sprechen wir englisch, obwohl wir nach gut drei Wochen in Brasilien schon einigermassen mit Portugiesisch zurecht kommen. Lesen bereitet uns dank unserer guten Spanischkenntnisse keine grosse Mühe mehr, das eine oder andere unbekannte Wort ist rasch im iPhone nachgeschlagen. Das Hörverständnis ist allerdings noch recht limitiert und hängt stark vom Sprecher ab. Und mit reden ist ausser «Eu não falo português» noch nicht viel.

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Zwei Ara-Arten nisten in den Kalkfelsen des Buraco das Araras

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Der Rio da Prata verzückt mit glasklarem, 26°C warmem Wasser

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Man legt sich in den Fluss und lässt sich treiben. Fast wie Aareschwimmen, nur sieht man etwas 😉

 

Nun würde man denken, dass in einer Touristenhochburg wie Bonito, wo notabene alle Strassenschilder, die zu Sehenswürdigkeiten oder Aktivitäten führen, in portugiesisch und englisch gehalten sind, die meisten Einwohner — oder auch nur die meisten im Tourismus Arbeitenden — entweder englisch oder spanisch sprechen. De nenhuma maneira. Wir fragen jeweils zuerst höflich, ob das Gegenüber spanisch oder englisch versteht, erhalten aber fast immer Kopfschütteln zur Antwort. So ist die Konversation dann halt in “Portuñol”, denn natürlich verstehen die meisten etwas Spanisch. Aber das ist anstrengend, oft doch nicht so zielführend und macht uns wieder einmal deutlich, was Reisende, die die Landessprache nicht verstehen und sprechen, alles verpassen. Es entgeht ihnen sicherlich mehr als die Hälfte. Ihr Bild reduziert sich auf Landschaften und subjektive Eindrücke beim Einkaufen, Essen, Fahren, An-der-Plaza-Sitzen, etc. Aber tiefere Einsichten (“Warum ist Evo Morales entgegen der Verfassung bereits in seiner dritten Amtszeit?”, “Wie viel verdient ein Gymnasiallehrer in Brasilien?”, “Was haben all diese Lastwagen geladen?”) bleiben ihnen zumeist verwehrt. Denn mit einer neuen Sprache lernt man immer auch eine neue Kultur.

Das war auch der Grund, warum wir Brasilien eigentlich gar nicht besuchen wollten. Wir haben uns aber von Uwe und Silke (Blog) überzeugen lassen, dass wir das Pantanal nicht verpassen dürfen. Und sie hatten recht! Wir sind sicher nicht das letzte Mal in Brasilien, unter anderem weil Reisen hier angenehm und recht unbürokratisch ist, weil Leute wie Gustavo professionell arbeiten und Freude am Umgang mit Touristen haben.

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Der Abismo Anhumas ist sozusagen das Paradepferd unter Bonitos Attraktionen.
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Zuerst 72 Meter tief abseilen — am Ende mit Muskelkraft und Steighilfe wieder zurück ans Tageslicht (wie das geht: siehe Titelbild der Online-Version dieses Eintrags)
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Vor dem Abenteuer wird hier der Aufstieg am Seil geübt
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Ready – set – go!
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Abseilen direkt auf das Floss in der Lagune
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Zuerst wird die Lagune mit einem Gummiboot erkundet

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Die Krönung: ein 30-minütiger Tauchgang um die bis zu 18 Meter hohen Stalagmiten, die unter der Wasseroberfläche verborgen sind. Wenn man seine Lampe abschaltet, beleuchtet nur noch das fahle Tageslicht, und die Unterwasserlandschaft wird surreal

Nützliches Vokabular

muito — sehr
bonito — schön
eu não falo português — ich spreche kein Portugiesisch
de nenhuma maneira — Fehlanzeige, keineswegs

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gaby Egli sagt:

    Und warum tragt ihr bei Wassertemparaturen von 26 Grad einen Neopren 😉Zu viele Viecher im Wasser?
    Vielen herzlichen Dank für eure Geburikarte, hat mich gefreut, richtige Post zu erhalten! Hier ist momentan endlich mal der Sommer da 👍
    Alles Liebe, Gaby

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  2. Stefan Graber sagt:

    Wenn ich eure Bilder sehe verstehe ich die Aussage, dass ihr sicher wieder einmal nach Brasilien reist. Da hat es doch viel schönes zu sehen.
    Geniesst jetzt aber eure Reise. Ein sommerlicher Gruss aus der CH

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