In den Strassen Perus

Der Verkehr rollt, ist aber unglaublich dicht und fordert höchste Konzentration. Das Hupkonzert ist irritierend, gibt aber weniger der Ungeduld der Peruaner Ausdruck als einer Warnung oder Anerkennung. Störend ist, dass sie lieber hupen anstatt zu bremsen.

Nach ein paar hundert Kilometern auf äusserst kurvenreichen, peruanischen Teerstrassen, nähern wir uns der Stadt Huánuco in der Rushhour. Die zweispurige Strasse wird 3- bis 4-spurig genutzt, das Chaos ist perfekt. Wir haben den Komfort, etwas höher als die PWs und viel höher als die Mototaxis zu sitzen. Die Grösse wird respektiert, aber es bleibt trotzdem keine Marge. Wir kommen durch ohne choque. Insbesondere darum, weil hier kaum Kaskoversicherungen für Autos abgeschlossen werden, und es schliesslich jeder vorzieht auszuweichen, anstatt einen Blechschaden zu riskieren. Uns solls‘ recht sein.

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Nicht ohne Grund trifft man auf solche Schilder: «Lieber Autofahrer – schütze dein Leben und das deiner Passagiere, sei kein Rennfahrer»

Die Busfahrer verkehren fast permanent mit Warnblinkern. Das legitimiert sie, überall und jederzeit anzuhalten. Die Bushaltestellen sind nicht gekennzeichnet. Wir folgen der Regel: Nie hinter einem Bus herfahren. Auch die anderen Autofahrer wenden die Praxis der Warnblinker an – die anderen sollen aufpassen, dass nichts passiert, ist ihre Haltung. Die Blinker nach rechts und links, werden stiefmütterlich behandelt, und teilweise falsch. Etwa so: Wir folgen einem Lastwagen auf einer kurvigen Strasse, überholen ist zu gefährlich Die ungeduldigen Peruaner würden es trotzdem tun. Später kündet uns der Lastwagenfahrer freie Fahrt an, indem er den Blinker nach links stellt. Daran müssen wir uns immer noch gewöhnen …

In Städten wie Huànuco ist die vorherrschende Taxivariante ein Dreiradtöff mit integriertem, gedecktem Anhänger. Da sitzen sie dann drin – bis zu vier Personen !

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Allwetter-Variante des Tuk-Tuks, wie man sie in Städten sieht
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Die Openair-Variante
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Die brave Allwetter-Variante
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Jeder Autowascher im Land macht mit solchen Bildern auf seine Dienste aufmerksam. Die Arbeit erledigen allerdings nicht die sexy girls, sondern ausschliesslich Männer …

Im ländlichen Peru bleibt uns Zeit, während dem Fahren das Leben zu beobachten.

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Ähnlich wie in Bolivien, wird auch hier am Strassenrand vieles feil geboten. Insbesondere Fruchtsäfte, Wachteleier und frittierte Brötchen
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Früchte, Gemüse und Glacé reisen per Fahrrad von einem Dorf zum anderen
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Ein solcher Sondertransport oder auch ein voll geladener Anhänger in einer Steigung, zwingen die tapferen Männer dazu, die Last zu schieben statt in die Pedale zu treten …
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Spezialtransport Glasvitrine, diesmal mit Motorrad.

Die Frauen, oft traditionell gekleidet und mit Hut, sind fröhlich und „gschaffig“. Sie verlieren keine Zeit mit tatenlosem Warten, sondern spinnen, stricken oder häkeln an ihrem Verkaufsstand, am Strassenrand auf den Bus wartend, ihre sechs Schafe hütend, oder gar wenn sie zu Fuss ins nächste Dorf marschieren; dabei haben sie oft noch ein Kind in einem Tuch auf den Rücken gebunden. In diesen Tragtüchern werden nicht nur Kinder, sondern auch Holz, Einkäufe und Erntegut transportiert.

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Es ist Sonntag, darum arbeiten diese Frauen nicht beim Fussmarsch …

Auf den Feldern in den Steilhängen wird alles von Hand erledigt; wenn es nicht zu steil ist, besorgt ein Ochsengespann das Pflügen. Bei den Häusern leben Schweine, Hühner und Hunde, und die Hausfassaden sind oft roh, manchmal verputzt aber regelmässig „verziert“ mit Politpropaganda. Der rohen Menge an Werbung nach zu urteilen, hätte Keiko Fujimori die Wahlen im Juni dieses Jahres haushoch gewinnen müssen. Sie unterlag aber in der Stichwahl, im knappsten je erreichten Wahlresultat, mit 49.88% der Stimmen dem aktuellen Präsidenten Kuczynski.

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In diesen Steilhängen werden munter Mais, Kartoffeln etc. angebaut
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Für einmal nicht Keiko … aber auch Acuña machte nicht das Rennen
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Zur Abwechslung eine schöne Fassade, frei von Propaganda

Immer wieder passieren wir Baustellen. Aber im Gegensatz zu Bolivien, wird hier der Verkehr nicht unnötig gestoppt. Auffallend sind auch die Sicherheitsmassnahmen auf diesen Baustellen: Leuchtwesten, Helme und z.T. Staubmasken werden konsequent und von allen getragen.

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Die Brücken – und von denen hat es in den Bergregionen viele – werden mit solchen Schildern angekündigt. Darauf sucht man vergeblich den Namen des Flusses

Ähnlich sinnlos wie die Information der Brückenlänge, erscheinen uns die vielen „Bumps“ zur Geschwindigkeitsreduktion. Auf 120 Tageskilometer kommen da an Spitzentagen weit über 100 Stück zusammen.

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Wäre es nicht sinnvoller, bei solchen Strassenabschnitten wenigstens eine Leitplanke zu setzen?

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In welch unwegsamem Gelände die Peruaner ihre Strassen anlegen, grenzt an ein Wunder. So viele enge Kurven bei akzeptablem bis gutem Strassenbelag haben wir bis jetzt sonst nirgends erlebt. Trotzdem sind wir nach der Süd-Nord-Durchquerung dieses Landes ein bisschen kurvengeschädigt …äähm … -gesättigt …

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Einige dieser Kurven waren so eng, dass wir zurücksetzen mussten

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Nützliches Vokabular

el choque – Zusammenstoss
el amigo – Freund
el conductor – Führer, hier Autofahrer
cuidar – schützen, aufpassen
el pasajero – Passagier, Reisender
la vida – Leben
correr – rennen, schnell fahren
lavar – waschen
el carro – Auto

 

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    Wer hupt kommt weiter …. Und wieder einmal mehr sehr schöne Fotos von Land und Leute. Würde mir auch noch gefallen und bei den Kurvenstrassen müsste ich meine Honda nicht zurücksetzen ….

    Hebät Sorg und immer gnuäg Diesel im Tank

    Gefällt mir

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