La Ciudad Azul

Auf der Autofahrt von Baños (1800 m.ü.M.), von wo aus wir mit den Velos entlang der Ruta de las Cascadas in den Regenwald hinunter radelten (900 m.ü.M.), nach Quilotoa, wo wir entlang des Kraterrands den Kratersee umwandern wollen, führt unsere Route durch das nichtssagende Pelileo.

Wohl haben wir in unserem Reiseführer gelesen, dass dies die denim capital (Hauptstadt des Jeans) von Ecuador sein soll, aber was kann das schon sein. Unterwegs kommt Jeannine in den Sinn, dass sie vielleicht da ihren geliebten Jeans-Jupe ersetzen könnte, den sie vor einigen Monaten wegen Altersschwäche ausgemustert hatte.

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In Baños wird zu Respekt gegenüber Velofahrern aufgefordert; das Velo auf dem Schild ist detailgetreu abgebildet — nur die Kette fehlt …

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Den Wasserfall Pailón de Diablo kann man buchstäblich erleben
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Der alte Jupe: leider nicht mehr zu reparieren

Wir passieren das Ortschild von Pelileo, fahren durch die tatsächlich nichtssagende Hauptstrasse und fragen uns, was eine Jeans-Hauptstadt eigentlich sein soll oder sein kann, denn wir sehen nur einen einzigen Kleiderladen — und der hat nicht einmal Jeans ausgestellt! Als wir schon aufgegeben haben, taucht ein braunes Strassenschild auf, dass geradeaus zu La Feria del Jean (Jeansmesse) weist. Ein paar Minuten später taucht am rechten Strassenrand wirklich ein Jeans-Geschäft auf. Und dann noch eines und noch eines. Nun auch links. Und plötzlich gibt es Jeans-Läden, so weit das Auge reicht. Sofort anhalten und aussteigen! Es folgt ein äusserst unterhaltender Bummel entlang allen erdenklichen Artikeln aus Jeansstoff.

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In English nennt man es das Green-grocers’ apostrophe («Tasty apple’s»), auf Deutsch Deppen-Apostroph («Gebrauchte Auto’s») — gibt’s also auch auf Spanisch
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„Jean“ wird in Spanisch übrigens nicht mit kratzendem „j“ ausgesprochen, sondern „Djiin“ mit französisch stimmhaftem „j“
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Jeans-Läden so weit das Auge reicht

So viele verschiedene Hosenmodelle haben wir noch nie im Leben gesehen. Lustigerweise — oder sinnigerweise — werden die Hosen meist nicht an Ganzkörperpuppen ausgestellt. Wir finden den einen oder anderen Minijupe aus Jeansstoff, aber das ist nicht, was Jeannine sucht. In einem Geschäft fragt sie die Verkäuferin, ob denn längere Jeansjupes so aus der Mode seien, dass sie hier nicht angeboten werden. «Sí, sí, más arriba hay (doch, doch, weiter oben gibt’s)» — ha, ha, wir kennen Südamerika nun doch schon ein bisschen um zu wissen, dass solch unspezifische Ortsangaben nur dazu dienen, einen Kunden, dessen Anliegen man nicht bedienen kann, loszuwerden. Aber tatsächlich: 300 Meter weiter der Strasse entlang spaziert, sind plötzlich knielange Jupes ausgestellt.

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Eine eher unglückliche Kreation in Umstandsmode
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Weiss TOMMY, dass hier unter seinem Namen Jeans produziert und verkauft werden?
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Wer kauft so etwas?
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Eine kreative Art, gleich drei Modelle an einer Puppe zu präsentieren. Ob das attraktiv aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Die Preise (engros) sind in US$.
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Keine Jeans im eigentlichen Sinn sondern bedruckte Leggins, deren Popularität in ganz Südamerika proportional mit dem Körpergewicht der Trägerin steigt

Hier fragen wir die Verkäuferinnen etwas aus und erfahren, dass Pelileo als la ciudad azul (die blaue Stadt) bekannt sei. Alles, was in dieser Strasse angeboten werde, sei hier in der Stadt genäht. Fast alle Geschäfte seien Fabrikläden. Der Stoff komme zum grössten Teil aus Kolumbien, teilweise aus Brasilien. Chinesische Ware würde hier nicht verarbeitet, die sei minderwertig (genau das hatten wir im Mai in Santa Cruz auch zu hören bekommen, als wir uns beide neue Boxer-Shorts als Pyjama kauften; Olivers waren Made in China, Jeannines Made in Brazil. Jetzt, vier Monate später, franst das Elastikbord an Jeannines brasilianischen Shorts langsam aus, während Olivers noch keine Abnutzungserscheinungen zeigen …). Allerdings geht keine der befragten Verkäuferinnen so weit, dass sie die Jeans als das Blaue Gold bezeichnet.

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Die neuen Errungenschaften (zur Etikette: Trägerin und Schnitt fototypähnlich)
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In Südamerika ebenfalls noch sehr populär: zerschlissene Jeans
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Oliver konnte Jeannine nicht davon abhalten, alle diese Modelle durchzuprobieren  😉
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Sehr vorteilhafte Modellwahl
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«Wir verkaufen engros und an Endkunden» — die nackte Puppe als Werbesäule

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Wespentaille rechts, Gazellentaille links — oder wie heisst schon wieder das Tier mit dem Rüssel?

Eine gute Stunde amüsieren wir uns gut im Jeans-Mekka Ecuadors und verlassen die Stadt mit zwei neuen Jeans-Jupes im Gepäck, die zusammen gerade einmal US$ 27 gekostet haben (Ecuador hat keine eigene Währung und verwendet offiziell den US-Dollar). Jeannine ist glücklich und Oliver hat ein neues Blog-Thema.

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Laguna Quilotoa, 3500 m.ü.M.
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    Hey Cool, da gibt es breitere Velowege als hier in der Schweiz. Wäre mal spannend, einen solch breiten Radweg in die Vernehmlassung einzubringen und zu beobachten, was dann abgehst.
    Zum Glück habt ihre den Jeans-Shop noch gefunden, wäre ja zu schade gewesen, wenn der Jupes nicht hätte ersetzt werden können. Und die ausgestellten Objekte sind aber nur für Gazellen; hat den eine Wespe auch die Möglichkeit, den blauen Stoff zu tragen? Und was macht der Durchschnitt – einfach aufs Bett liegen, Bauch einziehen und dann zuwürgen und ja nie mehr einatmen?

    Viel Freude am neuen Stoff und an den noch kommenden Erlebnissen wünsch ich euch beiden

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