Die Beinahe-Kreuzfahrt, Teil 2

Nach der ungeplanten Hotelnacht starten wir am nächsten Morgen zu zwölft mit unserem Führer Pedro die zweistündige, raue Schnellboot-Überfahrt zur Insel Isabela. Pedros Gepäck ist auf der Millennium geblieben. So hat er nicht mal Geld dabei, um nach der Überfahrt das Wassertaxi und den Nationalparkeintritt für uns zu bezahlen — Oliver leiht ihm das nötige Geld.

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Die Fahrt mit dem Schnellboot ist nicht nur rau sondern auf einigen Plätzen auch noch nass

Das Hostel ist etwas sympathischer als dasjenige von letzter Nacht aber immer noch weit von der Luxus-Klasse entfernt, die wir eigentlich gebucht haben. Das Lunchpaket, welches wir ausgehändigt bekommen, wäre noch für einen Kindergärtler zu knapp. Die fünfstündige Wanderung auf die Sierra Negra und zum Volcán Chico ist indes spektakulär.

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Dieses Lunchpaket sollte die Zeit zwischen dem dürftigen Frühstück um 06:30  und dem Nachtessen um 19:00 überbrücken. Wasser für die Wanderung mussten wir selbst besorgen.
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Blick von der Sierra Negra über Isabela

 

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Farbige Vulkanlandschaft auf Isabela

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Gut getarnte Kleinechse
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Native Pflanzen auf den Galapagos Inseln haben ausschliesslich weisse oder gelbe Blüten

Wir hoffen auf ein üppiges Nachtessen. Es bleibt bei der Hoffnung: zur Auswahl stehen das Tagesmenü, alternativ à la carte für höchstens 15 Dollar (kein Angebot der Speisekarte erfüllt diese Bedingung) . Die Info bezüglich unseres Schiffs ist der Nachtisch: Das Problem konnte noch nicht gelöst werden, und die Millennium kann nicht nach Isabela fahren. Wir sollen morgen mit dem Schnellboot wieder zurück nach Puerto Ayora fahren, wo die Millennium  für uns am Freitagabend bereit stehen würde («100% sicher»). Dies bedeutet aber auch, dass die geplante Route nicht eingehalten werden kann. Die vorgeschlagene Alternativroute begeistert uns wenig.

Jeannine kontaktiert die Agentur, um Rat zu holen: «Tretet ja nicht vom Vertrag zurück sondern folgt den Vorschlägen von Millennium. Allerdings muss der gebotene Service dem Standard auf dem Schiff entsprechen.» — Davon sind wir meilenweit entfernt!

Am nächsten Morgen ruft ein Teilnehmer den Verantwortlichen des Millennium-Betriebs an, um zu erfahren, was das Problem ist und um ihm einen Routenvorschlag zu unterbreiten. Ohne Erfolg. In der Reserva Tintorera sehen wir die ersten Galapagos-Echsen. Für das anschliessende Schnorcheln  (Wassertemperatur 18°C) müssen wir dafür kämpfen, dass Pedro Neoprenanzüge besorgt.

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Idyllische Bucht zum Schnorcheln
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Die sogenannten Weissspitzen-Riffhaie sind ungefährlich für Schnorchler – so versichert man uns …

Zwei Stunden später steigen wir unter grossem Widerstand auf das überfüllte Schnellboot (gezählte Passagiere: 36; zugelassen resp. Anzahl Schwimmwesten: 26). Als wir unseren Führer auffordern, sich um unsere Sicherheit zu kümmern, entgegnet dieser: «Yo soy pasajero, nada más (ich bin hier nur Passagier).».

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Alle Passagiere mit hängenden Mundwinkeln gehören zu den Millennium-Gästen. Bild: Pia

Wir sind wenig erstaunt, dass uns in Puerto Ayora niemand empfängt. Wir warten 30 min, dann informiert uns Pedro, dass die Schlauchboote unterwegs seien, um uns zur Millennium zu fahren. Sie kommen nie, dafür dürfen wir uns — wohl auf Druck der Agenturen — ein Restaurant aussuchen, wo wir für einmal ein gutes Nachtessen geniessen. Dann wie erwartet der Paukenschlag: «Die Millennium kann nicht repariert werden. Die Tour wird morgen Samstag offiziell abgesagt. Die Agenturen haben wir per Email informiert». NB: Die Emails gingen am Freitag um 17 Uhr raus!

In einer emotionsgeladenen Diskussion erfahren wir die ganze Geschichte der Panne. Die Zylinderkopfdichtung des Generators war kaputt und musste auf dem Festland bestellt werden. Am Donnerstag kam diese an, aber leider erst am Freitag bemerkten die Mechaniker, dass das falsche Ersatzteil geschickt wurde. Also war bei unserer Ankunft bereits am Flughafen klar gewesen, dass wir das Schiff an diesem Abend nicht würden besteigen können …

Von den sieben Tagen der Kreuzfahrt sind am Samstag bereits drei verstrichen. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte sogar nur fünf Tage gebucht. Sie werden vor ihrem Rückflug keine Cruise mehr erleben. Und wir können nur hoffen, dass unsere Agentin auch am Samstag arbeitet. Die Hoffnung hängt tief.

Ob sie das Email noch vor dem Wochenende gelesen hat, erfährst Du im Teil drei

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan Graber sagt:

    Es wäre ja zu einfach, wenn’s alles reibungslos funktionieren würde. Und wenn ich das so lese, dann merke ich, wie verwöhnt wir hierzulande sind und was abgeht, wenn’s dann nicht funktioniert. Ich kann nur sagen: Wohlstandsprobleme.
    Weiterhin viele spannende Erlebnisse mit etwas weniger Aufregung!

    Gefällt mir

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