Treue Reisebegleiter — Kocher

Als unser Bremach im März 2010 in Melbourne ankam, hatte er gerade einmal 2000 km auf dem Tacho, verfügte über ein Bett, einen Tisch, zwölf Staukisten aus Kunststoff und einen Wassertank. Eine unserer ersten Anschaffungen war deshalb ein zweiflammiges, blaues Gasrechaud von Primus (es war gerade Aktion) und eine passende 3-kg-Gasflasche, ebenfalls von Primus.

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Der erste Ausflug mit dem neuen „Heim“

Nach unserer Rückkehr in die Schweiz 2011 wollte Oliver die Gasflasche in Bern auffüllen lassen. Doch der Flasche fehlte der Schweizer Prüfstempel und auch gutes Zureden half nichts: niemand füllte uns die Flasche auf. Etwas Recherche im Internet enthüllte, dass der Gasmarkt fast überall staatlich reguliert ist: viele Länder haben eigene Vorschriften für Gasflaschen, eigene Anschlüsse, etc CampingGaz ist zwar in vielen Ländern vertreten, aber noch längst nich überall, und oft nur mit den kleinen 200-Gramm-Kartuschen. In Reiseforen und -blogs kann man unzählige Diskussionen und Berichte lesen, welche Techniken, Tricks und Adapter Reisemobilbesitzer verwendeten, um ihre Gasbehälter aus dem Heimatland in verschiedenen Ländern zu füllen. Zudem kann man von Gasunfällen lesen, bei denen ganze Familien ausgelöscht wurden.

So suchten wir nach Alternativen und blieben bei den schon fast unglaublich einfachen Origo-Kochern aus dem Yachtbereich hängen. Sie sind aus Chromstahl und funktionieren mit Brennsprit, der in einen mit leichtem Filz gefüllten flachen Behälter gefüllt wird, aus dem er auch nicht ausläuft, wenn man den Behälter auf den Kopf stellt. Origo-Kocher haben genau drei bewegliche Teile, die so robust gefertigt sind, dass kaum etwas kaputtgehen kann.

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Da der Spritbehälter im Kocher drin ist, können sie extrem einfach transportiert werden. Und Sprit kann man auch drinnen sicher verwenden (Beispiel: Fondu-Rechaud). Das tun wir im Durchschnitt etwa einmal pro Monat, wenn es draussen stürmt oder “strubusset”.

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Improvisierte Küche drinnen

Brennsprit (Ethanol oder Methanol) ist auf der ganzen Welt erhältlich, weil er nicht aus Industrie und Haushalt wegzudenken ist. Nur heisst er in überall anders und wird über andere Kanäle vertrieben:

  • Australien — Methylated Spirits (Outdoorgeschäft oder Supermarkt)
  • Argentinien — Alcohol de quemar (Supermarkt bei den Toilettenartikeln, oft werden gleich mehrere Sorten angeboten)
  • Brasilien — Etanol (Tankstelle, direkt aus dem Zapfhahn, dreckbillig)
  • Bolivien — Alcohol potable (Tante-Emma-Laden)
  • Ecuador — Alcohol industrial (Eisenwarengeschäft)

Der einzige Nachteil von Alkohol ist die nicht besonders energiereich Flamme, sodass ein Liter kochendes Wasser etwa 10 Minuten dauert. Dafür kann man damit ein Risotto wunderbar auf kleinem Feuer köcheln lassen.

Um wenn nötig etwas rascher zum Ziel zu kommen, hat Oliver einen zweiten Origo zum „schnellen Brüter“ konvertiert, indem er den Primus Omnifuel Benzinvergaserkocher, der uns 2006 durch Südamerika begleitete, einbaute. Dieser verbrennt fast alles (Benzin, Kerosin, Diesel, etc.). Wir betreiben ihn mit Reinbenzin, und damit kocht ein Liter Wasser in etwa 3 Minuten.

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Links das Original, rechts der „Turbo-Kocher“

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Auch Reinbenzin ist meist einfach erhältlich, … wenn man denn einmal herausgefunden hat, wie es heisst:

  • Australien — Shelllite (Outdoorgeschäft oder Supermarkt)
  • Chile — Benzina blanca (Eisenwarengeschäft)
  • Peru — Benzina transparente oder einfach Benzina (Eisenwarengeschäft)
  • Kolumbien — Gasolina blanca (wir wissen noch nicht wo)

Später kamen noch Windschütze dazu, die wir aus Barbecue-Liner fabriziert haben: ein Glasfasergeflecht, das mit Teflon beschichtet und extrem hitzebeständig ist. Barbecue-Liner ist einfach zu reinigen (auf dem Teflon haftet nichts) und ist faltbar. Die Australier verwenden es dazu, ihr Grillgut auf öffentlichen Gasbarbecues vor den teilweise etwas gruseligen Grillplatten zu schützen.

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Diese Kombination von langsamem und schnellem Kocher mit effektivem Windschutz erweist sich für uns nun schon seit zwei Jahren täglich wieder als ideal.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Klaus Loosli sagt:

    Hallo zäme

    Gut getunt ist immer gewonnen 😉 Ich habe von Velofahrern auf der Suche nach Reinbenzin gehört dies sei teilweise nicht so einfach weis es auch in der Kokain Herstellung gebraucht wird… Vielleicht darum in Kolumbien schwierig…

    Saludos Klaus

    >

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    1. uncachito sagt:

      Hallo Klaus

      Aha, vielen Dank für diese Zusatzinformation — das könnte es allerdings erklären! Das Gute am Primus Omnifuel ist, dass er auch mit normalem Benzin läuft, wenn wir kein Reinbezin finden sollten. In Brasilien waren wir zu bequem gewesen und hatten an der Tankstelle gleich Etanol und Normalbenzin „getankt“, mussten dann aber feststellen, dass Normalbenzin Verbrennungsrückstände zurücklässt, sodass wir die Düse des Kochers öfters reinigen mussten, und dass er nicht ganz so gut regulierbar war. Aber das ist das kleinere Übel als den Kocher wegen Brennstoffmangel gar nicht benutzen zu können.

      Merci viumau

      oliver

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  2. Stefan Graber sagt:

    Für eine solche Reise muss man recht erfinderisch sein – oder wird es als Sachzwang. Das machts zwar spannend und wenns funktioniert auch spassig und lässt die „nervlichen Strapazen“ vergessen. Weiterhin viel Spass mit dem Erfindergeist.

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