Reisealltag – Kochen

Um der verbreiteten Meinung, dass es bei „Campern“ jeden zweiten Tag Teigwaren mit Fertigsauce zum Essen gibt etwas Gegensteuer zu geben, öffnen wir heute den Vorhang und lassen in unsere Küche blicken.

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Die Küche ist an Kasbahs Hinterteil

 

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Die unkonventionelle Küche, hier mit einem Zelt für nasse und windige Bedingungen

Im Gegensatz zu den meisten Reisemobilen hat unser Kasbah eine Aussenküche und auch nach zwei Jahren „on the road“ möchten wir dies nicht anders. Es bietet der Köchin tolle Aussichten mit manch schönem Sonnenuntergang, kein duftgeschwängertes Schlafzimmer und so manchen interessanten Kontakt zu Einheimischen.

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Selten haben wir eine ganze Traube von gwundrigen Leuten um uns herum wie hier in Peru, auf einem Fussballfeld im winzigen Dorf Cocachima bei den Gocta Wasserfällen

Die Menügestaltung ist nicht von langer Hand geplant, weil der Zugang zu Lebensmitteln und auch das Angebot ständig ändern. Seit Bolivien kaufen wir Früchte und Gemüse auf dem Markt oder auch von Verkaufsständen am Strassenrand. Daraus kreiert Jeannine dann ausgewogene und schmackhafte Gerichte. Etwas mehr als die Hälfte sind vegetarische Nachtessen, auch weil uns das Fleischangebot oft nicht gluschtet.

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Fleischangebot in einer Markthalle. Wenigstens nicht der Sonne ausgesetzt. Es reicht schon, dass es offen zum Marktstand transportiert wird und Wasseranschlüsse (z.B. fürs Hände waschen) in diesen Lokalitäten fehlen …

Mit unseren zwei Kochern, den drei Pfannen (davon eine Bratpfanne) und einer bescheidenen Auswahl an Gewürzen ist fast alles möglich. Die frischen Vorräte reichen meist für eine Woche und natürlich ist unser Kühlschrank zu klein, um auch noch Gemüse oder Früchte darin zu lagern. Wir lagern aber unsere Pfirsiche, Zucchetti und Tomaten auf Luftkisten, damit sie keine Transportschäden auf den Schotterstrassen bekommen und allzu schnell vergammeln.

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Luftgebettete Tomaten
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Darf ich vorstellen: die Gewürzsammlung der Campingküche

Das Einkaufen auf dem Markt ist eine unserer Lieblingsbeschäftigungen aber auch eine Herausforderung, weil insbesondere Früchte und Gemüse in jedem Land ihre Namen ändern und wir viele angebotene Sorten gar nicht kennen und nicht wissen, wie sie zuzubereiten sind. Wir schätzen den Rat der Marktfrauen, wie sie die Lebensmittel verarbeiten und haben unser Repertoire der Rezepte merklich erweitert.

Trotzdem haben wir einige unserer Klassiker beibehalten. Dazu gehören Rösti, gefüllte Zucchetti (à la Campingküche und somit nicht im Ofen gratiniert :-)), Ratatouille mit Polenta und Risotto, um nur ein paar zu nennen.

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Obwohl wir einen Benzinvergaserkocher haben, den wir den „schnellen Brüter“ nennen, ist das Kochen in der Campingküche aufwändig. Man kann nicht schnell auf den Knopf drücken, um einen frisch gebrühten Kaffee zu geniessen. Geschweige denn, die Kaffeetasse in den Geschirrspüler stellen. Fürs Abwaschen kochen wir einmal täglich (nach dem Morgenessen) Wasser, und damit spülen wir dann auch das Geschirr vom Vorabend. Das hat sich bezüglich Zeitaufwand und Wasserverbrauch bewährt.

Und zum Schluss noch unser Joker. Wir haben eine Art Backofen der Marke Cobb. Damit gönnen wir uns etwa alle 10 Tage einen Pizzaplausch (natürlich mit selbst gemachtem Teig). Und weil das „Brigget“ etwa zwei Stunden Hitze hergibt, bäckt Jeannine im selben Aufwisch noch Brot. Das Roggen- oder Vollkornbrot ist eine willkommene Abwechslung zum immer süsslichen Weissbrot !

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Als Inspiration für hungrige Camper das Rezept für Bolognese-Teigwaren für 2 Personen aus Jeannines Campingküche:

  • Vorbereitungszeit: 20 min
  • Zubereitungszeit: 40 min

Zutaten
250 g gehacktes Rindfleisch
½ Zwiebel
1 Knoblauchzehe
3 Stängel Stangensellerie
1 Tomate
3 Sardellenfilets
0.5 dl Rotwein
1 EL Tomatenpüree
1 TL Bouillonpulver
250 g Teigwaren (Penne, Fusilli, Spaghetti)
Parmesan am Stück

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Zubereitung

Schäle Knoblauch und Zwiebel ✦ Hacke die Zwiebel fein und den Knoblauch sehr fein ✦ Entferne die Blätter vom Stangensellerie und lege sie beiseite ✦ Halbiere die Stängel und schneide sie in feine Scheiben ✦ Wasche und schäle die Tomate, schneide sie in kleine Würfel.

Brate das Hackfleisch in wenig Öl rundum an ohne es zu zerteilen ✦ Zerkleinere es erst am Ende mit der Bratschaufel ✦ Gib Zwiebel und Knoblauch dazu, reduziere die Hitze leicht ✦ Kurz rührbraten, bevor Du Sellerie und Tomate dazu gibst, umrührst und mit dem Rotwein ablöschst ✦ Hitze reduzieren.

Hacke die Blätter des Stangensellerie sowie die Sardellenfilets fein und gib sie der Fleischmasse zu ✦ Würze mit 1 TL Bouillon, Pfeffer, Salz, Paprika und Chilipulver ✦ Diese Masse lässt Du bei kleiner Hitze für mindestens 15 min köcheln ✦ Dann gibst Du das Tomatenpüree und je nach Konsistenz etwas Wasser zu.

Zwischenzeitlich kochst Du 1 Liter Wasser auf, gibst Salz zu und kochst die Teigwaren darin al dente ✦ Du giesst das Wasser ab und mischst die Sauce direkt unter die Teigwaren ✦ Dazu reichst Du geriebenen Parmesan.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Delia sagt:

    Wow, super was Jeannine da so alles zaubert in der Camping-Küche. Gerne mehr spannende Food Beiträge aus Südamerika als Inspiration für meine Küche 🙂

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  2. Beat Ambühl sagt:

    Aus eigener Erfahrung sage ich euch allen: Jeannines Küche ist nicht nur Zauber, nein es ist MAGIE pur!! Eine gelebte Symbiose vom gezielten Einkauf, über das Rüschten und Plöderlen, mit perfektem Timing und Improvisation, kaum zu überbietenden Variationen und auch optisch immer eine Augenweide. Glück all denen, die Jeannine bald schon wieder in Ihrer Nähe wissen…

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    1. otrocachito sagt:

      Da erröte ich nur schon beim Lesen von so viel Lob. Natürlich masslos übertrieben von Dir Beat aber es freut mich, dass Dir meine Küche so zusagt. Falls diese auch ein Grund dafür ist, dass Du uns erneut besuchen kommst – umso besser. Wir freuen uns.

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  3. Stefan Graber sagt:

    Hier nur ein Kurzkommentar: Essen wie zu Hause – en guätä !

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