Treue Reisebegleiter — Château Katadyn

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Nach dem thermodynamischen Exkurs im letzten Eintrag wird es diesmal geradezu läppisch einfach, und wir sind bereits dem Ende dieser Serie über einige unserer nützlichsten Ausrüstungsgegenstände nahe.

Reisemediziner schätzen, dass über neunzig Prozent der Reisekrankheiten mehr oder weniger direkt auf schlechtes Trinkwasser zurückzuführen sind. Ursache dafür ist nicht nur das Wasser, das als solches  getrunken wird, sondern auch Eiswürfel, Glacé oder verkeimtes Wasser, das z.B. zum Waschen von Früchten verwendet wurde.

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In allen Ländern Südamerikas sind Projekte für sauberes Trinkwasser im Gange. Die Bevölkerung in besser gestellten Quartieren hat meist schon seit Jahrzehnten keimfreies Leitungswasser, doch an Stadträndern und in ländlichen Gebieten ist es oft eine traurige Realität, dass nur verseuchtes oder verkeimtes Wasser zur Verfügung steht. Aber während die lokale Bevölkerung Resistenzen gegen einige krankmachende Keime entwickeln kann, füllt der Reisende seine Flasche fast schon definitionsgemäss jedesmal an einem anderen Ort auf, und ist immer von neuem einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

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Welche Optionen hat man also?

  1. Flaschenwasser kaufen
  2. Wasser abkochen (10 min)
  3. Wasser filtern
  4. Wasser chemisch behandeln

Wir haben uns für die dritte Möglichkeit (filtern) entschlossen, weil es für uns keine Option ist, die 6-12 Liter Trinkwasser, die wir täglich benötigen, in PET-Flaschen oder in Bidons zu kaufen, um diese danach kaum entsorgen zu können. Abkochen dauert nicht nur lange, sondern verbraucht auch viel Brennstoff, und am Schluss hat man heisses Wasser, das man meist lieber kalt möchte. Auch wollten wir nicht zwei Jahre lang z.B. mit Silberionen behandeltes Wasser trinken.

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Langfristig keine Option: behandeltes Wasser kaufen
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Entkeimung mit Tabletten praktizieren wir nur, wenn wir ohne unser Auto unterwegs sind, z.B. bei mehrtägigen Städtebesuchen oder auf Bootstouren

Als Filter verwenden wir eine Keramikkartusche von Katadyn. Die Poren des Keramikfilters sind so fein (0.2 µm), dass sie pathogenen Bakterien und Viren zurückhalten. Der Filter hat eine Kapazität von bis zu 6 Liter pro Minute und eine Lebensdauer von ca. 4000 Liter. Der Filter ist zudem mit Aktivkohle gefüllt, welche schlechten Geschmack oder Geruch eliminiert, Chemikalien (Dünger, Fabrikabwässer, etc.) und Schwermetalle bindet. Statt nur Château Robinet trinken wir also bestes Château Katadyn!

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Keramikfilter, in den Gehäusedeckel eingeschraubt (Kugelschreiber als Grössenvergleich)

Die typische Lösung in Wohnmobilen und Booten ist, dass man einen grossen Wassertank hat, aus dem man das Trinkwasser mit einer elektrischen Pumpe durch einen Filter pumpt, bevor es aus dem Hahn läuft. Wasch- und Duschwasser wird ungefiltert entnommen.

Wir haben einen 60-Liter-Trinkwassertank, aus dem wir das gefilterte Wasser mit einer Handpumpe in Flaschen oder Pfannen fördern. Das reicht uns, je nach Aussentemperatur und Luftfeuchte, für 5-10 Tage. Daneben führen wir noch 40-80 Liter ungefiltertes Brauchwasser mit, das wir fürs Geschirrspülen, Körperpflege, Putzen, etc. verwenden. Im Bedarfsfall könnten wir auch das Brauchwasser zu Trinkwasser filtern.

2010 stellten wir in Australien — und danach auch in der Schweiz — fest, dass sich im Wassertank nach einigen Wochen, selbst mit Wasser aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung, ein schleimiger Film bildet. Dieser Effekt verstärkt sich mit steigender Temperatur. Unsere Lösung: wir filtern das Trinkwasser beim Füllen des Tanks und lagern das bereits entkeimte Wasser. So hatten wir in 27 Monaten nie mehr mit Verunreinigungen im Tank zu kämpfen. Dabei hilft uns eine elektrische Pumpe, deren Druck auf den Katadyn-Filter abgestimmt ist.

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Das zu filternde Wasser wird von der Flojet-Pumpe beim Schlauanschluss oben links angesaugt und durch das Filtergehäuse und den Filter in den Tank gepumpt. Im Vordergrund, unten links, ist die Handpumpe zur Wasserentnahme. Der dünne Schlauch, vorne rechts, dient der Entlüftung (sonst bildet sich beim Füllen im Tank ein Überdruck und bei Entnehmen ein Vakuum).
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Breitenmoser Toni sagt:

    Hallo Oli und Jeannine
    Zu deinem Geburtstag wünschen wir dir viele glückliche Momente und spannende Begegnungen. Beim nächsten Geburi können wir hoffentlich wieder zusammmen anstossen.
    Sind nun selber „auf Tour“ und geniessen dies sehr. Vielen Dank für die Karte. Ihr überrascht uns immer wieder!
    Auf bald 😉
    Toni und Nicole

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  2. Stefan Graber sagt:

    Die Not macht erfinderisch. Wenn ich aber die Abfallentsorgung so ansehe, dann ist das Aufbereiten von Wasser nur ein muss. Wie macht das den die ländliche Bevölkerung; haben diese Menschen eine anderen Magen?

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